Warum unangemessene Gefühle Stärkenentwicklung verhindern
Im letzten Artikel habe ich beschrieben, was passiert, wenn Talente kippen. Wenn das, was uns eigentlich Energie geben sollte, plötzlich schwer wird, uns selbst blockiert oder gegen uns arbeitet.
Dieser Artikel geht einen Schritt zurück.
Denn bevor wir über Stärken, Entwicklung oder Potenzial sprechen können, müssen wir über etwas Grundlegenderes sprechen:
Den emotionalen Boden, auf dem Stärken überhaupt wachsen können.
Und der ist nicht immer so fruchtbar, wie wir glauben.
Gefühle sind nicht das Problem – aber ihre Angemessenheit schon
Oft wird zwischen positiven und negativen Gefühlen unterschieden.
Das greift zu kurz.
Entscheidend ist nicht, ob ein Gefühl angenehm oder unangenehm ist,
sondern ob es angemessen oder unangemessen ist.
Denn:
Nicht jedes negative Gefühl ist hinderlich.
Und nicht jedes positive Gefühl ist gesund.
Für Entwicklung – und insbesondere für Stärkenarbeit – ist diese Unterscheidung zentral.
Warum positive Gefühle Entwicklung ermöglichen
Die Forschung der Positiven Psychologie, unter anderem von Barbara Fredrickson, zeigt sehr deutlich:
Positive Gefühle
- erweitern unser Wahrnehmungsfeld
- machen Denken flexibler
- erhöhen Offenheit für andere Menschen und neue Lösungen
Kurz gesagt:
Man sieht mehr. Man denkt weiter. Man kommt wieder in Bewegung.
Das ist der Boden, auf dem Talente wirken können.
Negative Gefühle sind nicht automatisch hinderlich
Negative Gefühle haben einen schlechten Ruf – zu Unrecht.
Angemessene negative Gefühle wie:
Frustration
Enttäuschung
Bedauern
Sorge
Traurigkeit (nicht Depression)
haben eine wichtige Funktion.
Sie zeigen:
Etwas passt nicht.
Ein Bedürfnis ist nicht erfüllt.
Ich bin nicht in meinen Stärken unterwegs.
Frustration zum Beispiel ist unangenehm – aber handlungsfähig.
Sie signalisiert: Der Schuh ist zu klein.
Und genau dadurch entsteht der Impuls, ihn zu wechseln.
👉 Angemessene negative Gefühle sind Wegweiser.
Das eigentliche Problem: unangemessene negative Gefühle
Unangemessene negative Gefühle sind etwas anderes.
Dazu gehören:
Wut im Sinne von innerem Brennen oder Zerstörung
Schuld
Scham
Depression
lähmende Angst
Nicht wegen ihres Namens.
Sondern wegen dessen, was in ihnen steckt.
Diese Gefühle machen nicht wachsam –
sie machen handlungsunfähig.
Wo unangemessene Gefühle entstehen
Unangemessene Gefühle entstehen fast immer dort, wo aus Wünschen innere Gesetze werden.
Typische Denkregeln klingen dann so:
Das darf nicht sein.
Das müsste anders laufen.
Ich darf nicht scheitern.
Er hätte mich nicht so behandeln dürfen.
Das ist unerträglich.
Das Problem ist nicht die Situation.
Das Problem ist der absolute Anspruch, den wir an sie stellen.
Das Gefühl ist die Konsequenz dieses Denkens –
nicht der Realität.
Warum diese Gefühle so viel Energie rauben
Unangemessene Gefühle
halten das Nervensystem im Alarm
verengen Wahrnehmung extrem
blockieren Selbststeuerung
führen zu innerem Kampf statt Klarheit
Man ist:
innerlich am Brennen oder Erstarren
nicht mehr bei sich
abgeschnitten vom eigenen Denken
Und genau hier liegt der entscheidende Punkt:
In diesem Zustand gibt es keinen Zugang zu den eigenen Talenten.
Nicht, weil sie verschwunden sind –
sondern weil das emotionale System sie nicht mehr durchlässt.
Warum «positiv denken» hier nicht hilft
Unangemessene Gefühle können nicht aufgelöst werden durch:
Durchhalten
Zusammenreißen
Schönreden
erzwungene Positivität
Im Gegenteil:
Übertriebene Positivität kann selbst unangemessen sein –
wenn sie reale Schieflagen überdeckt.
Gefühle verlieren ihre Orientierungsfunktion,
wenn man sie ignoriert oder übergeht.
Warum Umprogrammierung notwendig ist
Unangemessene Gefühle entstehen nicht durch Ereignisse,
sondern durch Bewertungen.
Genau hier setzt die Rational-Emotive-Verhaltenstherapie an – nach Albert Ellis.
Der Kern:
Nicht das Ereignis macht das Gefühl.
Sondern das Denken darüber.
Und dieses Denken ist veränderbar.
Was der sokratische Dialog bewirkt
Durch einen gezielten, sokratischen Dialog lernt man:
- unangemessene Gefühle zu identifizieren
- die dahinterliegenden Denkgesetze sichtbar zu machen
- zu erkennen, was man sich selbst antut
- neue, realitätsnahe und nützlichere Gedanken zu formulieren
Das Ziel ist nicht, sich «gut zu fühlen».
Sondern wieder handlungsfähig zu werden.
Das Ergebnis ist kein Hochgefühl – sondern ein angemessenes negatives Gefühl, mit dem man wieder etwas machen kann.
Die zentrale Erkenntnis für Stärkenarbeit
Unangemessene Gefühle:
- blockieren Entwicklung
- verhindern Lernen
- machen Talente unzugänglich
Angemessene negative Gefühle:
- zeigen, wo wir nicht in unseren Stärken sind
- ermöglichen Veränderung
- halten uns bei uns selbst
Oder auf den Punkt gebracht:
Unangemessene Gefühle verhindern Fortschritte in der Stärkenentwicklung.
Angemessene negative Gefühle zeigen, wo wir nicht in unseren Stärken sind.
Ein letzter Gedanke
Wenn jemand merkt:
Ich stecke fest.
Ich bin ständig innerlich unter Strom.
Ich komme nicht mehr an mich heran.
Dann ist das kein Charakterproblem.
Sondern ein erlerntes Denk- und Bewertungsmuster.
Und genau das kann verändert werden.
Nicht über Druck.
Sondern über Bewusstheit, Klarheit – und die richtigen Fragen.
Wenn du beim Lesen gemerkt hast:
Ich bin oft innerlich unter Strom.
Ich komme nicht mehr an mich heran.
Ich stecke in Wut, Schuld oder innerer Starre fest.
Ich weiß, dass da mehr Potenzial wäre – aber ich komme nicht ran.
Dann ist das kein Zeichen von Schwäche.
Sondern ein Hinweis darauf, dass du in einem unangemessenen emotionalen Muster festhängst.
Und genau das kann bearbeitet werden.
Wie ich dabei unterstütze
Ich arbeite mit der Methode der Rational-Emotiven-Verhaltenstherapie (REVT).
In einem strukturierten, sokratischen Dialog schauen wir gemeinsam:
- welches Gefühl dich blockiert
- welches Denkgesetz dahinter wirkt
- wo aus Wünschen innere Gesetze geworden sind
- wie du dieses Muster im Denken auflöst
Das Ziel ist nicht, dich «positiv zu fühlen».
Sondern wieder handlungsfähig zu werden –
in einem angemessenen emotionalen Zustand, aus dem Stärkenarbeit möglich wird.
Rahmen & Ablauf
Einzel-Session (ca. 60–90 Minuten)
online via Microsoft Teams
fokussiert, strukturiert, alltagstauglich
Viele Themen lassen sich bereits in einer Sitzung deutlich klären und entlasten.
Wenn du spürst, dass eines dieser Themen auf dich zutrifft
und du lernen willst, wie du dich aus blockierenden Gefühlen wirklich herausarbeitest,
dann schreib mir gern eine Nachricht.