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Weiter geht’s mit der Kategorie Umgang mit Komplexität. Nach dem Analytiker, der tief ins Bergwerk hinabsteigt, und der Vorstellungskraft, die mit dem Helikopter den Überblick behält, kommt heute das dritte Talent dieser Kategorie: der Arrangeur.

„Keine Sorge … wirf mir ruhig noch zwei Bälle zu.“

Wenn ich den Arrangeur beschreiben müsste, dann wäre er für mich ein eleganter Jongleur. Während andere bei drei Bällen langsam nervös werden, fängt er gerade erst an, Spaß zu haben. Da kommt noch einer. Dann noch einer. Und noch einer.

Seine Reaktion? „Kein Problem.“

Je mehr sich bewegt, desto mehr scheint der Arrangeur erst richtig aufzublühen. Menschen, Aufgaben, Termine, Ideen oder Ressourcen – für ihn gehört das alles zusammen. Er schiebt, kombiniert und arrangiert so lange, bis es für ihn stimmig ist.

Eine kleine Geschichte dazu

Ich habe einmal mit einem Kunden über den Arrangeur gesprochen. Er war völlig frustriert, weil sein Chef ihm nie die Verantwortung übergab, die er brauchte, um seine Stärke wirklich einzusetzen. Ich erklärte ihm, dass Arrangeure zwar einen klaren Rahmen brauchen – innerhalb dieses Rahmens aber gestalten wollen.

Kaum hatte ich den Satz ausgesprochen, sprudelte es nur so aus ihm heraus. „Genau! Ich brauche einen Rahmen. Aber im Moment kommt es mir vor, als würde ich Squash spielen – und mein Chef verschiebt während des Spiels ständig die Wände. Und dann greift er auch noch in meine Jonglage ein.“

Ich musste lachen, weil ich das Bild sofort verstanden habe.

Neue Aufgaben? Immer her damit. Noch ein Ball? Gerne. Aber wenn ich mitten in meiner Jonglage bin und plötzlich jemand den Rahmen verändert, muss ich alles neu arrangieren. Dann fallen die Bälle zu Boden. Das kostet unglaublich viel Energie.

Warum Verantwortung so wichtig ist

Ich glaube, Arrangeure werden oft missverstanden. Viele sehen nur die Dynamik. Die vielen Bälle. Das schnelle Wechseln zwischen Aufgaben.

Dabei ist das gar nicht der eigentliche Punkt. Was Arrangeure wirklich möchten, ist Verantwortung. Gib ihnen den Rahmen, gib ihnen das Ziel – und dann lass sie ihren Weg finden. Sie wollen nicht kontrolliert werden, sie wollen arrangieren und Lösungen bringen.

Schwierig wird es erst, wenn ständig jemand in ihre Jonglage eingreift. Nicht, weil sie keine Unterstützung möchten, sondern weil sie ihr ganzes Arrangement jedes Mal neu aufbauen müssen.

Wenn zwei Talente aufeinandertreffen

Ich musste einmal schmunzeln, als ich einen Talentworkshop mit zehn Arrangeuren und einer Person mit dem Talent Fokus durchgeführt habe.

Schon vor dem Workshop wurde spekuliert, ob sich der Kollege mit Fokus wohl nach einem neuen Job umschaut. Er war dafür bekannt, nach Workshops möglichst schnell zu verschwinden und selbst das gemeinsame Feierabendbier auszulassen.

Im Workshop wurde dann plötzlich klar, warum. Für ihn waren Workshops im Allgemeinen ein einziges Gruselkabinett.

Während die Arrangeure gedanklich eine Schublade nach der anderen öffneten, wieder schlossen und sofort die nächsten drei aufmachten, wollte sein Gehirn jede einzelne Schublade erst sauber schließen, bevor die nächste geöffnet wird. Da musste ich sofort an eine Kommode denken. Wenn man immer mehr Schubladen öffnet, ohne dass die Kommode an der Wand befestigt ist, gewinnt irgendwann die Schwerkraft.  Dann kippt sie einfach um. Genau so hatte es sich für ihn in Workshops angefühlt.

Das Schöne war: Unser Workshop hat ihn nicht erschöpft – er hat ihn erlöst. Zum ersten Mal verstand er, warum ihn solche Situationen so viel Kraft kosten. Und genauso verstanden die Arrangeure zum ersten Mal, warum ihr Denken auf andere manchmal so überwältigend wirkt.

Genau dafür liebe ich diese Arbeit. Nicht, weil Menschen sich verändern müssen. Sondern weil sie anfangen, sich und andere zu verstehen. Gib ihm einen klaren Rahmen und Verantwortung. Dann entstehen oft Lösungen, auf die vorher niemand gekommen wäre.

Wenn du selbst Arrangeur bist, lass dich nicht verunsichern, wenn andere deine Dynamik als Chaos empfinden. Meist steckt dahinter ein System, das nur du gerade vollständig überblickst. Und vielleicht beschreibt dieser Satz den Arrangeur am besten:

„Keine Sorge … wirf mir ruhig noch zwei Bälle zu. Aber lass mich jonglieren.“

Im nächsten Post verlassen wir die Kategorie Umgang mit Komplexität und schauen uns die nächste Talentwelt an.

Erkennt ihr euch im Arrangeur wieder – oder kennt ihr jemanden, der scheinbar mühelos viele Dinge gleichzeitig koordiniert und dabei nie den Überblick verliert?  Ich freue mich auf eure Geschichten.

Bis bald,

Julia