0049 176 64 67 81 40 info@juliahanke.de

Mit diesem Beitrag beginnt eine neue Kategorie meiner CliftonStrengths-Serie: Vor–Nachher-Denken. Zu dieser Kategorie gehören für mich die Talente Behutsamkeit, Disziplin und Fokus. Drei Talente, die auf den ersten Blick wenig gemeinsam haben. Und doch verbindet sie etwas. Sie alle brauchen den Anfang. Nicht, weil sie langsam sind, sondern weil sie zu Beginn etwas brauchen, das ihnen Sicherheit, Orientierung oder Klarheit gibt. Was bei anderen mitten im Tun entsteht, entsteht bei ihnen vorher.

Vielleicht ist genau das der Grund, warum diese Talente manchmal missverstanden werden. Wer zusieht, sieht nur die Zeit, die am Anfang investiert wird. Was man häufig nicht sieht, ist das, was danach passiert. Läuft alles erst einmal, dann wirkt vieles erstaunlich selbstverständlich. Genau deshalb gefällt mir der Begriff Vor–Nachher-Denken. Die eigentliche Arbeit beginnt für diese Talente, bevor die anderen überhaupt losgelaufen sind.

Behutsamkeit – Der Sorgfältige

Mit Behutsamkeit bin ich aufgewachsen.

Wenn wir früher in den Urlaub gefahren sind, begann die Reise nicht am Abreisetag. Sie begann Wochen vorher. Mein Vater plante die Route, ließ das Auto warten, kümmerte sich um Mautgebühren, kontrollierte die Unterlagen und hatte alles ordentlich in einer Mappe vorbereitet. Kurz vor der Abfahrt wurde noch einmal geprüft, ob wirklich alles dabei war.

Als Kind hat mich das manchmal wahnsinnig gemacht. Ich wollte einfach losfahren.

Heute denke ich oft daran zurück. Unsere Urlaube verliefen erstaunlich ruhig. Es war fast immer an alles gedacht. Irgendetwas fehlte selten und wenn doch einmal etwas Unvorhergesehenes passierte, war meistens schon eine Lösung greifbar.

Später habe ich dieselbe Erfahrung gemacht, wenn wir gemeinsam gearbeitet haben. Ob beim Umzug, im Garten oder beim Hausumbau – bevor überhaupt der erste Handgriff gemacht wurde, lagen Werkzeuge bereit, das Material war sortiert und manchmal fuhren wir lieber noch einmal in den Baumarkt, weil eine Schraube vielleicht doch etwas länger sein sollte oder noch eine Kleinigkeit fehlte. Damals hätte ich am liebsten schon längst angefangen. Heute weiß ich, warum die Arbeit anschließend so ruhig und flüssig verlief.

Irgendwann entstand in meinem Kopf ein Bild.

Der Behutsame geht den Weg nicht einfach entlang. Er geht ihn vorher ab. Er hebt Schlaglöcher aus, räumt Steine zur Seite und schneidet Äste weg. Nicht, weil er langsam ist. Sondern weil sich der Weg danach leichter gehen lässt.

Dieses Bild begleitet mich bis heute.

Eine gute Vorbereitung ist der einfachste Weg zum Ziel.

Vielleicht beschreibt dieser Satz Behutsamkeit besser als jede Definition.

Mir ist im Laufe der Jahre noch etwas anderes aufgefallen. Menschen mit Behutsamkeit gehen häufig nicht nur sorgfältig mit ihren Aufgaben um. Sie gehen auch sorgfältig mit sich selbst um. Vertrauen entsteht nicht von heute auf morgen. Persönliche Dinge werden nicht jedem sofort erzählt. Auch hier scheint erst geprüft zu werden, bevor man einen Schritt weitergeht. Als Kind habe ich das manchmal nicht verstanden. Heute empfinde ich es einfach als dieselbe Sorgfalt, die dieses Talent in allen Lebensbereichen begleitet.

Wenn ich heute an meinen Vater denke, denke ich nicht mehr daran, dass er lange gebraucht hat. Ich denke daran, wie ruhig alles lief, nachdem wir begonnen hatten. Und vielleicht ist genau das die größte Stärke der Behutsamkeit. Nicht das sorgfältige Vorbereiten an sich, sondern die Gelassenheit, die daraus entsteht, wenn es schließlich losgeht.

Ich bin gespannt, ob du dich in diesem Talent wiedergefunden hast oder ob dir – wie mir – sofort ein Mensch eingefallen ist, der genau so denkt.

Beim nächsten Mal schauen wir uns Disziplin an. Ein Talent, das Ordnung nicht schafft, weil es ordentlich aussehen soll, sondern weil Struktur Energie spart und den Kopf frei macht.

Bis bald.

Julia