Willkommen zu Teil 7 meiner Serie „CliftonStrenghts: Strategie“. Damit sind wir jetzt in der Kategorie Lösungsdenken angekommen. Zu dieser Kategorie gehören für mich drei Talente: Strategie, Wiederherstellung und der Arrangeur, den wir bereits kennengelernt haben.
Warum gerade diese drei?
Sie haben eine außergewöhnlich hohe innere Motivation, Probleme zu lösen. Während Probleme für manche Menschen eher Belastung bedeuten, sind sie für diese drei Talente fast schon eine Einladung. Probleme lassen sie nicht erstarren – Probleme machen sie wach. Genau dann laufen sie zur Höchstform auf.
In unserer Arbeitswelt setzen wir oft voraus, dass jeder gerne Probleme löst. Tatsächlich kostet das vielen Menschen sehr viel Energie. Für Strategen, Wiederhersteller oder Arrangeure dagegen entsteht genau in diesem Moment Motivation.
Ich habe das selbst einmal sehr deutlich erlebt. Nach einigen Jahren in einer Organisation hatten wir viele Themen erfolgreich gelöst. Die Mitarbeitenden waren entwickelt, die Kommunikationskultur war gut, jeder hatte seinen Platz gefunden und die meisten Prozesse liefen stabil. Eigentlich genau das, was man sich wünscht.
Und trotzdem saß ich irgendwann morgens im Büro und dachte: „Mist … jetzt gibt es ja gar keine Probleme mehr.“ Ich musste selbst darüber lachen. Aber genau in diesem Moment wurde mir bewusst, wie stark diese innere Motivation eigentlich ist. Nicht das Chaos macht Freude – sondern das Lösen. Wenn es nichts mehr zu verbessern gibt, wird es für einen Menschen mit dieser Ausprägung irgendwann erstaunlich langweilig.
Der Stratege sieht den Weg
Der Stratege erkennt unglaublich schnell Muster und Möglichkeiten. Oft hört er sich ein Problem noch gar nicht bis zum Ende an – und plötzlich ist sie da: die Lösung. Oder besser gesagt: gleich mehrere Lösungswege. Sein Gehirn vergleicht permanent verschiedene Möglichkeiten miteinander und entscheidet oft innerhalb weniger Sekunden, welcher Weg vermutlich der beste ist.
Schon als Kind ist mir das aufgefallen. Ich habe Rätsel geliebt, bei denen man den richtigen Weg finden musste. Während andere noch überlegten, war mein Kopf oft schon am Ziel angekommen. Erst später habe ich verstanden, dass genau das Strategie ist.
Eine kleine Geschichte dazu
Ein Coach hat einmal einen Workshop für unser Team durchgeführt. Mein damaliger Chef hatte Strategie auf Platz eins, ich auf Platz zwei. Bevor der Workshop begann, bat uns der Coach um etwas Ungewöhnliches: „Heute möchte ich, dass ihr beide euch möglichst zurückhaltet und andere zuerst sprechen lasst.“ Im ersten Moment fand ich das fast ein wenig merkwürdig. Später habe ich verstanden, warum.
Für Menschen mit Strategie ist Problemlösen so selbstverständlich, dass sie oft schon eine Lösung gefunden haben, bevor andere das Problem überhaupt vollständig beschrieben haben. Das geschieht nicht aus Arroganz. Es passiert einfach unglaublich schnell.
Für die anderen im Raum kann das allerdings frustrierend sein. Sie möchten gemeinsam nachdenken, Ideen entwickeln und den Lösungsweg nachvollziehen. Wenn der Stratege ständig sofort die Antwort liefert, entsteht leicht das Gefühl, selbst gar nichts beitragen zu können. Das war für mich eine wichtige Erkenntnis. Strategie bedeutet nicht, immer als Erster die Lösung zu präsentieren. Manchmal bedeutet Strategie auch zu erkennen, wann der richtige Zeitpunkt ist, die eigene Idee einzubringen.
Schiff in Sicht!
Stellt euch vor, eine Gruppe Schiffbrüchiger strandet auf einer Insel.
Die einen sammeln Feuerholz. Die anderen suchen Wasser. Wieder andere überlegen, wo man schlafen könnte.
Der Stratege?
Der sitzt oben auf einem Aussichtspunkt und hält Ausschau.
Die anderen denken vielleicht sogar:
„Typisch. Der hilft mal wieder nicht mit.“
Und genau in diesem Moment ruft er:
„Schiff in Sicht!“
Alle rennen hektisch los, schauen aufs Meer, laufen gegen Bäume und rufen:
„Wo denn?“
Der Stratege zeigt ganz ruhig auf den Horizont.
„Da hinten. Wenn wir jetzt dort auf der Landzunge ein Signalfeuer machen, fährt es direkt an unserer Bucht vorbei.“
Genau das ist Strategie.
Nicht das Problem beschäftigt ihn.
Sondern der Weg zum Ziel.
Strategie braucht die anderen Talente
Gerade deshalb arbeite ich unglaublich gerne mit anderen Talenten zusammen.
Wenn es darum geht, neue Möglichkeiten zu entwickeln, ist Strategie ein wunderbarer Ideengeber. Im Brainstorming blüht dieses Talent regelrecht auf. Genau dort darf es schnell denken, Möglichkeiten aufzeigen und neue Wege sichtbar machen.
Wenn es anschließend darum geht, die beste Lösung sorgfältig zu prüfen, hole ich mir sehr gerne den Analytiker dazu. Seine Fragen helfen dabei, blinde Flecken zu entdecken und gute Ideen noch robuster zu machen.
Nicht ein Talent allein macht den Unterschied.
Die richtige Kombination macht den Unterschied.
💡 Mein Fazit zur Strategie
1️⃣ Gib Strategen Raum, Lösungswege zu entwickeln. Sie erkennen oft Möglichkeiten, die andere noch gar nicht sehen können.
2️⃣ Wenn du selbst Strategie zu deinen stärksten Talenten zählst, dann übe dich manchmal bewusst in Geduld. Nicht jede Lösung muss sofort ausgesprochen werden. Oft entsteht die größte Wirkung dann, wenn du zuerst andere mitdenken lässt und deine Stärke im richtigen Moment einbringst.
Im nächsten Beitrag geht es um den Wiederhersteller – ein Talent, das Probleme noch einmal aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet. Während der Stratege den Weg zum Ziel findet, blüht der Wiederhersteller genau dann auf, wenn etwas repariert, verbessert oder wieder in Ordnung gebracht werden kann.
Erkennt ihr euch in der Strategie wieder – oder kennt ihr jemanden, der scheinbar mühelos den Weg durchs Dickicht findet, während andere noch das Problem beschreiben?
Ich freue mich auf eure Geschichten.
Bis bald,
Julia
